Wenn wir über Katzenschutz auf Gran Canaria sprechen, denken viele Menschen zunächst an gerettete Katzen, Tierarztbesuche oder die Vermittlung in ein neues Zuhause. Doch ein großer Teil unserer Arbeit findet viel unspektakulärer statt – und genau deshalb ist er so wichtig.
Denn für viele frei lebende Katzen beginnt jeder Tag mit der Frage, ob jemand kommt.
Jemand, der Futter bringt.
Jemand, der frisches Wasser bereitstellt.
Jemand, der hinschaut.
Und jemand, dem auffällt, wenn eine Katze plötzlich fehlt oder gesundheitliche Probleme hat.
Wir möchten euch in diesem Beitrag mitnehmen zu einem solchen Morgen in Agüimes im Südosten von Gran Canaria.



Wo Katzenschutz zur täglichen Verantwortung wird
Gemeinsam mit Pflegemama Yaiza waren wir unterwegs, die von ihr betreuten Katzenkolonien zu versorgen. Yaiza ist seit vielen Jahren im Katzenschutz aktiv und kümmert sich inzwischen seit neun Jahren zuverlässig um die Tiere in ihrer Umgebung.
Was für Außenstehende vielleicht wie eine kurze Fütterungsrunde aussieht, ist ein fester Bestandteil des täglichen Lebens – und eine Aufgabe, die Konsequenz verlangt. Denn die Katzenkolonien werden nicht nur dann versorgt, wenn es gerade zeitlich passt. Die Tiere brauchen jeden Tag Futter und Wasser. Auch an Wochenenden und Feiertagen.
Für Yaiza bedeutet das, jeden Morgen aufzubrechen und ihre Runde zu machen. Insgesamt verbringt sie dabei ungefähr eine Stunde unterwegs und versorgt rund 20 Katzen.
Mehr als nur ein Sack Futter
Schon die Vorbereitung zeigt, dass eine solche Runde mehr beinhaltet, als einfach irgendwo etwas Futter abzustellen. Wasser und Futter müssen zu den einzelnen Stellen gebracht werden. Vor Ort werden die Futterplätze kontrolliert und die Tiere beobachtet. Für die längerfristige Versorgung hat Yaiza eine besonders praktische Lösung geschaffen: Vier Futterhäuser hat sie selbst gebaut.



Dort können Wasser und Trockenfutter geschützt bereitgestellt werden. Die Konstruktionen bieten Schutz vor der intensiven Sonne, Wind und – wenn das Wetter einmal umschlägt – auch vor Regen. Gerade bei einer ganzjährig draußen lebenden Katzenpopulation sind solche geschützten Futterstellen ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Versorgung.
Die Katzenkolonie ist keine anonyme Gruppe
Für Yaiza sind diese Katzen keine anonyme Ansammlung von Straßenkatzen. Sie kennt sie. Sie kennt ihre Namen, ihre Gewohnheiten und ihre unterschiedlichen Charaktere. Manche Katzen suchen die Nähe des Menschen, andere bleiben lieber etwas vorsichtiger. Diese Vertrautheit ist im Katzenschutz ausgesprochen wertvoll.



Wer seine Tiere regelmäßig sieht, erkennt Veränderungen. Kommt eine Katze plötzlich nicht mehr zur Futterstelle? Wirkt sie anders als sonst? Hat sich ihr Verhalten verändert? Gibt es Verletzungen oder Anzeichen einer Erkrankung? Die tägliche Versorgung wird damit gleichzeitig zu einer Art Gesundheitskontrolle. Und natürlich darf bei aller Organisation eines nicht fehlen: Zeit für Zuwendung. Wer eine Streicheleinheit möchte, bekommt sie selbstverständlich auch.
Wenn Futter zur Medizin wird
Aktuell benötigt Katze Fefa Medikamente aufgrund einer Entzündung im Maul. Das Medikament wird über das Futter verabreicht. Solche Situationen zeigen sehr anschaulich, warum eine kontinuierliche Betreuung von Katzenkolonien so wichtig ist. Eine Katze, die nur gelegentlich von unterschiedlichen Menschen gefüttert wird, kann leicht übersehen werden. Bei einer festen Betreuung hingegen kennt man die einzelnen Tiere und bemerkt eher, wenn etwas nicht stimmt. Katzenschutz bedeutet deshalb nicht nur, den Napf zu füllen. Es bedeutet auch, Verantwortung für die Tiere und ihren Gesundheitszustand zu übernehmen.



Kastrationen sind die Grundlage für nachhaltigen Katzenschutz
Ein weiterer entscheidender Punkt bei der Betreuung einer Katzenkolonie ist die Kastration. Die von Yaiza betreuten Katzen sind kastriert. Damit wird verhindert, dass sich die Population unkontrolliert weiter vermehrt. Das ist für uns ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Katzenhilfe. Denn reine Fütterung kann die akute Versorgung eines Tieres verbessern – sie löst aber nicht das Problem unkontrollierter Vermehrung. Erst die Kombination aus Kastration, regelmäßiger Versorgung, Beobachtung und medizinischer Betreuung schafft eine langfristig bessere Perspektive für eine Katzenkolonie.
Warum feste Futterstellen so wichtig sind
Eine gut organisierte Katzenkolonie braucht Struktur. Feste Futterplätze helfen dabei, die Tiere zuverlässig zu versorgen und gleichzeitig den Überblick zu behalten. Wasser und Trockenfutter können geschützt bereitgestellt werden, während Nassfutter gezielt während der täglichen Runde angeboten wird.


Neun Jahre – jeden Tag aufs Neue
Vielleicht ist genau das der beeindruckendste Teil dieser Geschichte.
Nicht die Menge des Futters.
Nicht die selbst gebauten Futterhäuser.
Nicht einmal die rund 20 Katzen.
Sondern die Konstanz.
Seit neun Jahren übernimmt Yaiza diese Verantwortung.
Ein Einsatz, der selten spektakulär aussieht und trotzdem für die betroffenen Tiere einen enormen Unterschied macht. Denn Katzenschutz besteht nicht ausschließlich aus großen Rettungsaktionen. Häufig besteht er aus vielen kleinen Handlungen, die sich jeden Tag wiederholen.
Ein voller Wassernapf.
Eine Portion Futter.
Ein prüfender Blick.
Ein Medikament.
Eine Kastration.
Eine Streicheleinheit.
Und die Gewissheit: Morgen kommt wieder jemand.
Unser Blick hinter die Kulissen
Genau solche Momente möchten wir bei bei den Canarigatos sichtbar machen. Denn hinter einer betreuten Katzenkolonie stehen Menschen, die Zeit investieren, Verantwortung übernehmen und sich auch dann kümmern, wenn es keine Kamera und keinen Applaus gibt. Yaiza zeigt seit neun Jahren, was regelmäßiger und verlässlicher Einsatz bedeuten kann.
Es geht darum, hinzusehen. Dranzubleiben. Verantwortung zu übernehmen. Und den Tieren eine verlässliche Versorgung zu ermöglichen. Genau dafür stehen wir bei Canarigatos. Eine Katzenkolonie zu betreuen, ist keine Aufgabe für einen einzelnen besonderen Tag. Sie ist eine tägliche Verpflichtung.
Guter Tierschutz muss nicht immer laut sein. Manchmal beginnt er einfach jeden Morgen zur gleichen Zeit – mit einem Sack Futter, frischem Wasser und der Bereitschaft, wieder hinzusehen.


